Mahalo vs. Google - Semantisches Web 3.0 doch ohne künstliche Intelligenz?
Juni 7th, 2007 | by Karl Kamino |
Aber braucht die Welt noch eine weitere Suchmaschine? Selbst eine die von realen Menschen angetrieben wird, welche helfen Suchrelevanz neu zu definieren?
Wenn das Konzept aufgeht, könnte Mahalo größeren Suchmaschinen wie Google und Yahoo jedenfalls sehr gefährlich werden.
Seit längerem ist schon abzusehen wie die Zukunft, in Bezug darauf wie wir finden werden was wir suchen, aussehen wird. Überall bringen Suchmaschinenmarketinggurus ihre gesamten Kräfte auf, um neue Inhalte zu schaffen, die von den Searchbots gefunden werden und in den Suchergebnissen landen.
Das einzige Problem ist, das nur wenige der gesamten Internetnutzer wissen wie man Suchergebnisse manipuliert bzw. optimiert. Während die großen Suchmaschinen wie Yahoo und Google noch über die Qualität der Suchergebnisse und deren entsprechenden Inhalte diskutieren, gehen ein paar Suchmaschinenanbieter das Problem bereits an.
Cha Cha zum Beispiel ist eine Suchseite mit echten menschlichen Führern. Mahalo ist die neueste Version dieser Art von Suchseiten, welche versucht den Internetnutzern durch den menschlichen Beitrag einen Mehrwert zu schaffen, indem Such-Spammer und faule, optimierte Ergebnisse ausgeschlossen werden. Statt auf bestimmte Algorithmen wird hier auf Redakteure gesetzt. Das Ganze nennt sich dann “People Powered Search”. Damit soll Suchmaschinen-Optimierern das Handwerk gelegt werden. Viele Kritiker halten diese Idee jedoch für ziemlich verrückt. Obwohl Mahalo aber erst in seiner Alpha Phase ist, sieht das Konzept auf den ersten Blick recht vielversprechend aus.

Quelle: Netzwelt
Kevin Ryan hat sich mit dem Mahalo Gründer Jason Calcanis getroffen, um herauszufinden was Mahalo (hawaiianisch für „Danke“) eigentlich auf Lager hat.

Kevin Ryan: Aus welchen Gründen hast du eigentlich Mahalo gegründet (andere als Geld)?
Jason Calcanis: Das Ziel ist jedem Internetnutzer jeden Tag zu helfen (Geld motiviert mich im Moment nicht richtig, eher das was erreicht werden kann).
Ryan: Denkst du denn, dass es überhaupt Platz für eine weitere Suchmaschine gibt?
Calcanis: Natürlich, ich würde doch keine Firma gründen, wenn ich nicht davon überzeugt wäre. Doch ich würde sagen, dass wir eigentlich gar keine richtige Suchmaschine oder ein Verzeichnis sind: Wir sind eher ein Suchservice.
Ryan: Wenn man einmal die lange Liste an gescheiterten Suchergebnisaggregatoren betrachtet, wie wird Mahalo das ganze möglichst einfach halten?
Calcanis: Die Qualität unserer Führer und der SERPs (search engine result pages) die sie schaffen, werden am meisten über den Erfolg bestimmen. Der zweitwichtigste Faktor wird sein, unseren Benutzern zuzuhören was sie über unsere SERPs sagen. Im moment sind unseren jetzigen Suchergebnisse zu 60-70% vollständig und wir hoffen, dass die Öffentlichkeit uns dabei helfen wird sie auf 90-100% zu vervollständigen.
Ryan: Wieviel Mitarbeiter kümmern sich bei Mahalo eigentlich um die redaktionellen Inhalte?
Calcanis: Wir haben jetzt gerade 40 Vollzeitangestellte von denen sich die meisten um die Inhalte kümmern.
Ryan: Wie wird Mahalo professionelle Sucher umwerben und halten?
Calcanis: Wir machen daraus den besten Job den sie jemals in ihren Leben gehabt haben. Im moment bieten wir vernüftige Gehälter, Zusatzleistungen, freie Mahlzeiten, flexible Arbeitsstunden, Aktienbeteiligungen sowie die Chance die Welt zu verändern. Des Weiteren denken wir, dass es auch einen Karrierepfad als „Führer“ geben kann. Bei Weblogs Inc. haben wir zum Beispiel für blogger einen Karrierepfad von Teilzeit zu Vollzeit und vom Gelegenheits- zum Profiblogger. Genauso werden wir das auch mit den „Suchern“ machen, wie du sie nennst.
Ryan: Der 4. Platz bei den Topsuchanfragen war heute „Google“. Was denkst du warum Leute in einer Suchmaschine eine Suchmaschine suchen?
Calcanis: Im moment sind die zwei am häufigsten reinkommenden IP Adressen von Microsoft und Google: Ich verdächtige Google einfach mal, dass sie nach sich selbst sucht.
Ryan: Der redaktionelle Prozess dient Spam zu minimieren. Wie reagierst du denn auf Leute die sagen, dass ihr eigentlich Suchergebnisse zensiert?
Calcanis: Spam zensieren? Du machst Witze, oder? Wenn es ein Verbrechen ist Spam zu zensieren, dann lass Mahalo ruhig schuldig sein.
So, bis hierhin ging das Interview, dass ich von Kevin M. Ryans Artikel frei übersetzt habe.
Ich bin gespannt wie Mahalo sich noch entwickeln wird. Nachdem ich damit einmal experimentiert habe, muss ich leider sagen, dass das noch nichts für mich ist. Oben werden einem auf den unendlich vielen unvollständigen Seiten die neuen, noch nicht ausgereiften Ergebnisse gezeigt, während unten die alten Googleergebnisse das besser zeigen was auch eigentlich gesucht wurde. Für mich steht jedenfalls fest, dass Mahalo noch einige Zeit nicht ohne Google auskommen wird. Wie wollen die eigentlich mit 40 Mann Millionen von Webseiten durchforsten? Da ist es doch wenigstens tröstend, dass sie den besten Arbeitsplatz in ihrem Leben haben. Denn so lange wie die brauchen werden kann es schon sein, dass der ein oder andere dort auch sein Leben verbringen wird ;-)
Würde mich mal interessieren was andere bis jetzt von Mahalo denken.
Hier noch ein schönes Screencast über die Benutzung von Mahalo:
Weiterlesen:
Calcanis Blog
Video-Interview über Mahalo im Basic Thinking Blog
12 Responses to “Mahalo vs. Google - Semantisches Web 3.0 doch ohne künstliche Intelligenz?”
By Baynado on Jun 8, 2007 | Reply
Interessanter Bericht. Ich werde diese “Suchmaschine” mal weiter beobachten.
Ich denke aber, das 40 Mitarbeiter sehr wenig gegen ca. 10000 Mitarbeiter wie bei Google, nur schwer mithalten können.
In meinem Bericht über die 200 Rankingfaktoren von Google, wird deutlich, warum dass so ist.
Ich selber wünsche mir auch einen gesunden Wettbewerb im deutschen Suchmaschinen markt, da ich Monopolen eher abgeneigt bin.
Gruß
Baynado
By Bib Neyo on Jun 8, 2007 | Reply
Danke Baynado! Ich hatte Deinen Bericht (http://www.baynado.de/blog/wie-google-ueber-200-faktoren-ins-ranking-mit-einbezieht/) auch vorher schon gelesen. Ich denke die zukünftige Entwicklung ist schwer voraus zu sehen. Einerseits sind People-Powered-Search Angebote wie Mahalo und Cha Cha Startups und haben deswegen - wie am Anfang auch Google - nur wenige Mitarbeiter, die sich bei entsprechendem Investment jedoch schnell mehren können. Andererseits können doch eigentlich nur automatisierte Suchen langfristig wirklich alle Informationen “scannen”, wenn man sich einmal den potentiellen Anstieg der Datenmengen in den nächsten Jahren vorstellt. Die Frage ist dann vielleicht was man will: Entweder alles über einen Suchbegriff im Netz finden und selbst schauen wie nützlich die jeweilige Information ist, oder schnell sehen was viele andere für wichtige Information in Zusammenhang mit der Suche sehen. Das hieße mehrere Suchmaschinen für unterschiedliche Vorlieben - also ganz Deinem Wunsch entsprechend. Aber da Mahalo ja gegen SEOs ist, müßten wir eigentlich ja zu Google halten :-)
Und schließlich gibt es da ja mit AdWords schon Money-, äh… People-Powered-Search ;-)
By Baynado on Jun 8, 2007 | Reply
Oder wir müssten uns auf SMO (Social Media optimization) spezialisieren. Das wäre dann fast genauso wie PR Arbeit. ;-)
Ich denke, dass beide Konzepte eine Berechtigung haben.
By Tadeusz Szewczyk on Jun 8, 2007 | Reply
Ich sage: Zurück zum Faustkeil!
http://www.devster.de/blog/mahalo-nein-danke
By marcel weiss on Jun 8, 2007 | Reply
Was hat denn ein von Redakteuren erstelltes Verzeichnis mit dem semantischen Web zu tun? Das ist doch Unfug.
By Inga on Jun 8, 2007 | Reply
Klar, so ein Verzeichnis ist nichts neues, aber irgendwas wird sich Calcanis schon dabei gedacht haben. Er ist ja kein Neuling. Abwarten und beobachten…
By marcel weiss on Jun 8, 2007 | Reply
Falls das von mir unklar formuliert war: Ich halte nicht Mahalo für Unfug sondern diesen Artikel. Der Verfasser des Artikels hat entweder keine Ahnung vom semantischen Web oder von Mahalo.
Was ich von Mahalo halte, ist allerdings auch nicht weit weg vom Begriff ‘Unfug’. Ob das funktioniert, steht noch in den Sternen. Ich habe auf meiner Seite auch sehr ausführlich darüber geschrieben.
By Karl Kamino on Jun 8, 2007 | Reply
@Baynado: Ich denke auch. Das ist das Tolle im Internet - verschiedene Sachen können gleichzeitig bestehen und jeder kann sich aussuchen was ihm besser gefällt.
@marcel weiss: Ich poste hier mal was Bib schon bei Yigg auf einen ähnlichen Kommentar zu seinem Artikel (http://www.yigg.de/165133_Mahalo_vs_Google__Semantisches_Web_30_doch_ohne_kuenstliche
_Intelligenz) geantwortet hatte: “Danke für Deine kritischen Kommentare. Aber nicht ich habe keine Ahnung wovon ich schreibe, sondern du hast den Witz an der Sache nicht verstanden. Beim semantischen Web (der Zukunft) geht es doch gerade darum, dass die Maschinen in der Lage sind Bedeutungen aufgrund eines Wissens über die Zusammenhänge zu verstehen. Aus dieser Perspektive gesehen ist Mahalo ein definitiver Rückschritt, ein alter Hut. Es sind halt wieder die Menschen, die dies Stück für Stück übernehmen. Ich hoffe du verstehst jetzt das mein Titel nicht ernst gemeint war. Mahalo hat wirklich nichts mit dem Semantischen Web zu tun. Aber von einem “neuen” Suchservice sollte man doch auch etwas “neues” erwarten können, oder?”
By marcel weiss on Jun 8, 2007 | Reply
Okay, dann hab ich den Witz nicht gesehen und das falsch verstanden. Sorry dafür.
Ich weiß sehr wohl, was das semantische Web ist, deswegen fand ich den Bezug hier albern.
Ich führe zu meiner Verteidigung an, dass das in der Überschrift äußerst unglücklich und irreführend formuliert ist und keine weitere Erwähnung im Text erfährt. Wer das semantische Web nicht kennt und diesen Text liest, wird hier ziemlich im Dunkeln stehengelassen.
Keine weiteren Fragen, Euer Ehren. :)
By Webanalyticsbook on Jun 9, 2007 | Reply
Mahalo will das Web mit Menschen erfassen. Davon halte ich extrem Wenig.
Meine Gruende:
1. Das Web waechst schneller als das es 40,400 oder 4000 Leute erfassen koennen.
2. Sprachen
3. Die 20-25% top Suchbegriffe, die Mahalo abdecken will, sind bereits mehrere Millionen verschiedene Kombinationen
4. Der Mensch hat sich Google u. Yahoo angepasst. Wer einmal eine schlechte Suche eingegeben hat, probiert eben rum bis er die passende Methode findet
By Bib on Jun 9, 2007 | Reply
@ Webanalyticsbook: Zum ersten Punkt: Den Anstieg der Datenmenge hatte ich ja schon angesprochen. Gebe ich Dir völlig recht. Wie soll das gehen? :-)Der 2. und 3. Punkt gehören ja schon mit zum ersten: Unendliche Vielfalt an Daten. Der 4. Punkt ist aber der Interessanteste. Habe desletzt erst gelesen, dass die Marke Google sehr stark in unseren Köpfen verankert ist, wenn es ums Suchen geht. So sehr, dass wir aus dem Nomen sogar ein Verb -googlen - gemacht haben. Und da wir Gewohnheitstiere sind ist auch die obere Leiste in unseren Browsern längst nicht mehr das Mittel mit dem die meisten von Seite zu Seite surfen. Diese Rolle hat mittlerweile die Google Toolbar übernommen. Selbst wenn Leute zu Google wollen geben sie “Google” nicht oben in der Adressleiste, sondern in die Google Toolbar ein. Dadurch ist “Google” schon auf dem 14. Platz der meistgesuchten Suchbegriffe ;-)