Social Web - Welche Chancen bietet das Internet Entwicklungsländern?
Juni 15th, 2007 | by OneOneTwo |Social Web einmal anders. Zwar auch social - aber diesmal aus einer ganz anderen Perspektive.
Wenn man von den vielen Möglichkeiten hört wie man heutzutage Geld im Internet machen kann, muß ich manchmal an Urlaube zurück denken in denen für die Menschen vor Ort 1$ oder 1€ nicht einfach nur das sind was wir darin sehen. In vielen Ländern sind dies Tageslöhne, wenn nicht noch mehr. Klar ist das traurig und wir erkennen dann oftmals erst wie reich wir gegenüber diesen Menschen eigentlich sind.
Genauso verlockend muss es doch dann auch für diese Personen sein, wenn sie wüßten wieviele Dollar sie im Internet machen könnten. Nehmen wir doch einmal ganz einfache Beispiele wie AdSense, Affiliate Programme wie affili.net, das desletzt erwähnte SubvertandProfit, Ciao Umfragen, Trigami, Dienste als Webdesigner, und was es nicht sonst noch alles gibt. Für viele Web-User bieten diese Programme Einnahmen und Möglichkeiten, welche die meisten von uns als mehr oder weniger große Entlohnung für ihre Arbeit im Internet ansehen. Bei den meisten gibt es demnach aber auch einen weiteren Job mit dem sie ihr Leben finanzieren. Nur die allerwenigsten aus der Masse an Internutzern kann von den Einnahmen solcher Programme leben (reine Spekulation ;-). Zwar gibt es wiederum Ereignisse wo z.B. ein 15-jähriger eine Website programmiert und dann als 19-jähriger 630.000 britischen Pfunds für diese bekommt (wie ich vorhin las), aber das sind dann doch eher die Ausnahmen.
Interessant ist doch eigentlich, dass dieser junge Student gar nicht aus England hätte kommen müssen. Genauso gut hätte er in Nairobi oder Mumbai vor einem Rechner sitzen können. Damit möchte ich darauf hinaus, dass das Internet enorm viel Potenzial in Bezug auf die Entwicklung möglicher Einkommensquellen bzw. Wirtschaftszweige in ärmeren Ländern besitzt.
Da hört man heute zum Beispiel schon oft von Cloning-Agenturen, die komplette Scripte, Websites und Programme innerhalb kürzester Zeit für ein Appel und ein Ei in Entwicklungsländern programmieren lassen. Aber das meine ich damit nicht. Ich spreche nicht von Ausbeutung, so wie es im letzten Artikel über Mahalos 10.000 Suchseiten angesprochen wurde. (Andererseits ist die unterschiedliche Bewertung von Ausbeutung einer der Hauptgründe warum Antiglobalisierungsbewegungen und Proglobalisten sich nicht einig sind. Während die eine Person Sweatshops für grausam hält, empfindet eine andere sie als wichtigen Schritt in der kapitalistischen Evolution eines Landes).
Um aber nochmal auf den eigentlichen Punkt zurückzukommen… Klar kann man hier Hostinggebühren und Gebühren für den Internetzugang den potentiellen Chancen für ein Online Business entgegenhalten, aber es gibt schon sehr viele kostenlose Hoster (wie z.B. Googles Blogger) und die Preise in den Entwicklungsländern sind auch nicht so hoch wie hier. Wichtig ist natürlich zu unterscheiden wie arm die Menschen sind. Manche können sich in ihren eigenen Verhältnissen kaum am Leben halten und sind täglich mit der Erhaltung ihre Existenzminimums beschäftigt, während andere schon als lokale Mittelschicht gelten.
Weitere Faktoren sind natürlich auch die technischen Anschaffungskosten von Computern und die Bildung bzw. das benötigte Fachwissen. Wie dieses Video zeigt, ist das in dicht bevölkerten Gebieten kein Problem mehr.
Zwar gibt es auch erste Versuche Computer mit Internetzugang in abgelegenen Dörfer zu betreiben und somit alle Menschen von den Möglichkeiten des Internets profitieren zu lassen, aber dies ist bisher in nur wenigen Regionen der Fall. Erwähnenswert sind da natürlich auch die (angeblichen) 100$ Notebooks, welche einen weiteren Schritt in diese Richtung ermöglichen sollen. Wirkliche Entwicklung sehen wir zur Zeit vorerst aber nur im Mobilfunk.
Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern kommt den mobilen Netzen eine besondere Bedeutung als Kommunikations-Infrastruktur zu, die viele Regionen erstmals mit dem Rest des Landes und der Welt verbinden - Was die meist miserabel ausgebauten Festnetze nie leisten konnten. Diese Kommunikations-Teilhabe bringt oft auch handfeste ökonomische Vorteile, gerade für Kleinhändler und Bauern.
(SpiegelOnline, 14.06.07)
Von Vorteil ist es aber auch, dass gerade die Armen in den letzten Jahren immer mehr ins Interesse vieler Unternehmen gerückt sind. Nachdem arme Länder lange Zeit wegen zu niedrigen Margen ignoriert wurden, scheinen sich einige Firmen mittlerweile zu denken, dass sich “mit Kleinvieh auch Mist machen lässt”.
Die globale Wirtschaft ignoriert rund fünf Milliarden Menschen, die auf ihrem Radar einfach nicht auftauchen. 80 Prozent der Weltbevölkerung werden einfach nicht als Kunden wahrgenommen. Sogar sogenannte globale Unternehmen begehen diesen Fehler,” erklärte Ende letzten Jahres der Globalisierungs-Vordenker C. K. Prahalad … Aber einige Konzerne scheinen sich auf die Erschließung dieser neuen Märkte aktiv vorzubereiten. So beispielsweise der weltweit größte Handy-Hersteller Nokia. Das Unternehmen hat dazu eine umfassende Strategie entwickelt, die neben den Telefonen auch die Netzwerkinfrastruktur und Finanzierungsmodelle beinhaltet. Das entsprechende Konzept heißt “Wireless Village” und definiert als Zielvorgabe, Menschen in bislang unerschlossenen Gebieten mit Mobilfunkservices für maximal drei Dollar im Monat zu versorgen.
(SpiegelOnline, 11.06.07)
Die Entwicklungen im Mobilfunk scheinen im vollen Gange zu sein. Wirklich schön wäre es, wenn es den Menschen in einigen Regionen der Erde auch durch den Zugang ins Internet langfristig besser gehen könnte. Dies würde zugleich wahre Globalisierung bedeuten. Keine Pseudoglobalisierung von der nur die profitieren, die sich den Vorgaben der Industrienationen anpassen. Versteht mich nicht falsch - ich bin keiner der mit Steinen auf Polizisten wirft. Globalisierung ist keine schlechte Sache so lange sie gerecht und nachhaltig ist. Wenn Millionen von wirklich armen Menschen schon ihre Länder nicht verlassen können, von einem fragwürdigen System abhängig sind und/oder von Institutionen wie dem IMF oder der Weltbank auf moderne Weise wirtschaftlich versklavt werden, dann hoffe ich, dass sich das Internet trotz aller Hindernisse schnell in solchen Regionen verbreiten und zu besseren wirtschaftlichen Bedingungen führen wird.
So freut man sich doch auch, wenn die Google AdSense Erfolgsstory des Tages mal nicht aus den USA oder aus Deutschland, sondern aus Indien kommt. :-)
One Response to “Social Web - Welche Chancen bietet das Internet Entwicklungsländern?”
By Gisela on Aug 4, 2007 | Reply
Schöner Artikel.
Eine Organisation die sich sehr für das Thema Computer und Bildung in Afrika einsetzt ist Camara:
http://www.camara.ie/
Ich bin auch davon überzeugt, dass sich in der afrikanischen Bildungslandschaft einiges ändern wird, wenn erst einmal genügend Menschen Zugang zum Internet haben und sich dadurch auch selbstständig weiter entwickeln können.